
Marc Aurel
Marc Aurel wurde 26. April 121 n. Chr. als Marcus Annius Catilius Severus in Rom geboren (KIENAST 2011, 137). Aufgrund entfernter verwandtschaftlicher Verbindungen geriet er das Umfeld des Kaisers Hadrian, zumal sein ursprünglich aus Spanien stammende Großvater Marcus Annius Verus bereits als mehrfacher Consul ein bekannter Politiker in der Senatsaristokratie war und von Hadrian geschätzt wurde. Die weitläufige verwandtschaftliche Beziehung mütterlicherseits verschaffte ihm aufgrund des Besitzes von Ziegeleien ein reiches Erbe (FÜNDLING 2008, 15). Die Nähe zum Kaiserhaus wurde bereits seit der Regierungszeit Trajans von der Senatsaristokratie genutzt, um sich durch Eheschließungen untereinander zu vernetzen und für die kaiserliche Verwaltung zur Verfügung zu stehen. Die Kinderlosigkeit Trajans und auch Hadrians führte ebenso zur Chance, in die Nachfolgeplanungen der Kaiser eingebunden zu werden. Dieses Beziehungsgeflecht bildete die Grundlage, daß Hadrian auf den ernsten und zur Gradlinigkeit neigenden Knaben aufmerksam wurde. Als 14jähriger Jüngling nahm er die Männertoga (toga virilis) und wurde mit Ceionia Fabia verlobt, deren Vater L. Ceionius Commodus eine wichtige Rolle in der Dynastieplanung Hadrians spielte. Dessen Adoption und Erhebung zum Nachfolger, verbunden mit dem Titel ‚Caesar‘, führte zur Namensänderung zu Lucius Aelius Caesar. Auch der Verlobte Ceionias nahm nun den Namen seines Vaters an und hieß bis zu seiner Adoption Marcus Annius Verus.
Die ersten Dynastieplanungen Hadrians scheiterten aufgrund unvorgesehener Todesfälle, so dass er trotz seiner Jugend als Nachfolger ausgewählt wurde. Die Unerfahrenheit des 16jährigen bewog den inzwischen schwer erkrankten Hadrian dazu, mit Antoninus Pius einen erfahrenen Politiker zu adoptieren, der seinerseits den jungen Mann adoptierte. Aber auch der Sohn des Lucius Ceionius Commodus, der zuerst als Nachfolger ausersehen, aber vorzeitig verstorben war, wurde von Antoninus Pius an Sohnes statt angenommen, der selbst keine Söhne hatte. Die beiden ‚Caesares‘ bildeten nun die Grundlage für Dynastiepolitik des alten Kaisers. Nach dessen Tod am 10. Juli 138 n. Chr. erfuhren beide Prinzen eine herausragende Erziehung durch die angesehensten Lehrer ihrer Zeit. Im Gegensatz zu seinem Stiefbruder, neigte der nunmehr unter seinem neuen Namen bekannte Marcus Aelius Aurelius Verus besonders der stoischen Philosophie zu. Die Aufnahme in angesehene Priesterämter und Ausstattung mit bedeutenden politischen Ämtern führten zu einer steilen Karriere des in der Bevölkerung beliebten Marc Aurel. Es ist bemerkenswert, dass Antoninus Pius ihnen keine militärische Ausbildung angedeihen ließ.
Ohne Probleme konnten die beiden Männer nach dem Tod des Antoninus Pius die Nachfolge am 7. März 161 n. Chr. antreten. Sein Mitkaiser Lucius Verus verstarb plötzlich nach knapp acht Jahren. Marc Aurel regierte allein weiter. Der eigentlich friedfertige Kaiser mußte sich den Überfällen der Markomannen an der Donau stellen, schrieb aber nebenher die berühmten „Selbstbetrachtungen“, ein Werk mit zumeist Reflexionen und Leitsätzen, die der stoischen Philosophie zuzuordnen sind. Nie gänzlich verloren gegangen wurden sie in der Renaissance wiederendeckt und übersetzt. Etliche neuzeitliche Politiker, wie Friedrich II. von Preußen oder der Kanzler Helmut Schmidt befassten sich mit dem Werk Marc Aurels und orientierten sich an dessen philosophischen Leitgedanken.